Das New Work Dilemma
Das New Work Dilemma

Verfasst von

Boris Wehmann

am 24. September 2022

Der Begriff New Work wurde bereits in den 1970-iger Jahren geprägt, womöglich sogar früher. Mir ist der Begriff in Verbindung mit Fritjof Bergmann begegnet. Ob er’s erfunden hat? 

Bergmann ging es wohl nicht darum, die Arbeit lediglich menschlicher zu machen und alles andere beim Alten zu belassen. Er stellte die Arbeit selbst auf den Prüfstand.

Mit Bergmanns Ansätzen hat New Work, wie wir es heute verstehen, jedoch nur noch wenig zu tun.

Das Wohlbefinden der Menschen steht im Vordergrund

Bei unserem heutigen Verständnis von New Work geht es hauptsächlich um das Wohlbefinden der Menschen. Es ist ein Klammerbegriff geworden, der alles Mögliche umfasst.

Zeiten haben sich verändert und tatsächlich muss sich auch die Arbeit verändern. Was wir arbeiten, ändert sich praktisch von allein. Neue Berufsbilder entstehen, alte Berufsbilder verschwinden oder erfahren ein „Update“.

Wie wir arbeiten, ändert sich aber nicht so schnell wie das, was wir arbeiten. Dieser Clash ist ein Teil der Problematik, mit der wir es zu tun haben.

Unternehmen, in denen traditionelle Berufsbilder existieren und gelebt werden, bemerken das besonders. An ihnen sind die neuen Berufsbilder weitestgehend vorbeigegangen. Es haben sich eher die Arbeitsinhalte angepasst, aber sie haben es nicht mit grundlegend neuen Berufen zu tun. Wenn die Anforderungen aus der New Work Bewegung auf diese Unternehmen trifft, führt das zu Aktionismus auf der einen Seite. „Wir müssen hier dringend etwas tun, sonst fallen wir aus der Zeit“, heißt es da. Auf der anderen Seite stehen die Strukturen und die im Unternehmen vorherrschenden Grundüberzeugungen vielen New Work Ansätzen im Weg.

Der ganze Fokus richtet sich auf eins: Wie machen wir New Work? Wie schaffen wir eine Umgebung, in der Menschen gerne arbeiten?

Das Elend nimmt seinen Lauf.

Maßnahmen verpuffen, müssen angepasst werden oder werden komplett eingestellt. Neues muss her. Der Erfindungsreichtum ist unerschöpflich.

Mit einem Auge wird auf andere Firmen geschielt. Wie machen die es? Können wir das übernehmen? 

Hier lauert die Blaupausen-Falle.

Es wird versucht, eine Methode, die in einem anderen Unternehmen funktioniert, auf das eigene Unternehmen zu übertragen. Die Rechnung geht wieder nicht auf.

Um die Art, wie wir arbeiten, zu verändern, müssen wir an das Fundament unseres heutigen „Systems“ Arbeit. New Work einfach überzustülpen ist im besten Fall wirkungslos.

Die gute Nachricht vorab: Die Antwort finden wir NICHT bei den Menschen und ihren Bedürfnissen und nicht in der New-Work-Blase.

Wir müssen ran an die Unternehmensstrukturen. An unseren Grundüberzeugungen müssen wir ebenso arbeiten wie an der Organisation. Managementpraktiken gehören auf den Prüfstand bis hin zu unserem Verständnis von Management und Führung. 

Das klingt erst recht abschreckend?

Ja, das tut es. 

Was ich damit aufzeigen möchte, ist, das „Wasch mich aber mach mit nicht nass“, nicht mehr genügt.

Kopf in den Sand und weiter machen wie bisher.

Das ist eine Option. 

Nein, natürlich nicht.

Es gibt keinen Grund, alle Themen auf einmal anzufassen und es ist recht wahrscheinlich, dass gar nicht soviel verändert werden muss, wie man neigt zu glauben. Vielleicht passen die Grundüberzeugungen bereits und es mangelt lediglich an der Umsetzung der notwendigen Schritte?

Es ist auch möglich, dass sie mit ihrem Unternehmen sehr erfolgreich sind. Gar einer der Top-Arbeitgeber Ihrer Branche sind. Dann gilt es zu beschützen, was gut läuft und mit viel Fingerspitzengefühl an der einen oder anderen kleinen Schraube zu drehen.

Welche Maßnahmen zu welchem Unternehmen passen, ist höchst individuell. Deshalb nutze ich in meiner Arbeit lieber eine gute Theorie und keine Methode oder Rezept. 

New Work, die Wunderpille.

Alle wollen die Wunderpille. Viele wissen sie aber gar nicht anzuwenden. Sie wissen noch nicht einmal, ob die Pille gegen ihre Symptome hilft.

Ja, Sie lesen richtig. Denn gegen die Ursache helfen die meisten Pillen sowieso nicht. Es mag aber durchaus sein, dass Symptome vorübergehend gelindert werden.

Wenn wir uns wieder auf den eigentlichen Zweck unserer Unternehmung besinnen und lernen, den Markt als Referenz unseres Handelns und unserer Entscheidungen zu nutzen, kommen wir an einen Punkt, an dem wirksames Arbeiten wieder möglich wird.

Das wirkt sich auch positiv auf die Mitarbeitenden aus. Es wird möglich sein, dass Menschen tatsächlich Verantwortung übernehmen können, denn das wollen sie. Es wird auch möglich sein, dass Menschen Entscheidungen treffen, die zu dem Problem des Kunden passen.

Wenn die Grundlagenarbeit getan ist, können Sie gerne Ihre Arbeit mit einem Sahnehäubchen dekorieren. Suchen Sie sich aus, welche New Work Anregungen passen und wie sie die guten Ideen, die es zweifelsohne gibt, so einsetzen, dass sie tatsächlich Wirkung entfalten können.

Welche Erfahrungen haben Sie mit New Work gemacht und wo stehen Sie?

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein paar Impulse mitgeben.

Bei Fragen, Anregungen oder Gesprächsbedarf sprechen Sie mich gerne an.

Wenn Führungskräftetraining oder eine Beratung für Unternehmen bei Ihnen aktuell ist, lassen Sie uns sprechen. Insbesondere bei unspezifischen Problemen kann ein Gespräch sehr hilfreich sein.

Oftmals höre ich:

„Wir sind sehr erfolgreich. Aber irgendetwas läuft nicht rund. Wir haben keine Idee, woran das liegen kann“.

Kennen Sie das?

#AgileSteuerung

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