Unternehmenswerte: Warum sie oft wirkungslos bleiben und was wirklich zählt

von | März 25, 2025

Viele Unternehmen investieren viel Zeit und Ressourcen in die Definition und Kommunikation ihrer Unternehmenswerte. Es werden Werte-Workshops durchgeführt, Leitbilder aufwendig gestaltet und an prominenten Stellen im Unternehmen platziert. Manche Firmen formulieren sogar detaillierte Werte-Kataloge und nutzen diese in Employer-Branding-Kampagnen, um ein modernes Image zu vermitteln und Mitarbeitende langfristig zu binden.

Doch trotz all dieser Maßnahmen bleiben die angestrebten Werte oft wirkungslos. Mitarbeitende nehmen sie nicht ernst, und im Alltag sind sie kaum spürbar. Warum ist das so? Warum prallen viele dieser Initiativen an der Unternehmensrealität ab? Und wie können Unternehmenswerte tatsächlich mit Leben gefüllt werden?

In diesem Artikel möchte ich Ihnen eine andere Perspektive auf das Thema Unternehmenswerte aufzeigen – eine, die auf echten Austausch, gelebte Praxis und eine ehrliche Reflexion der Unternehmenskultur setzt.

Werte sind keine Dekoration

Werte entstehen nicht durch Hochglanzpräsentationen oder Wandposter in Konferenzräumen. Ein Unternehmen ist ein lebendiges System, das sich ständig weiterentwickelt. Werte sind in diesem System nicht etwas, das sich von oben nach unten implementieren lässt, sondern etwas, das aus dem täglichen Miteinander entsteht.

Wenn ein Unternehmen versucht, Werte künstlich aufzusetzen, ohne die bestehende Unternehmenskultur zu berücksichtigen, bleibt dies meist wirkungslos. Werte müssen gelebt werden, damit sie eine tatsächliche Relevanz entfalten. Sie formen sich in der Art und Weise, wie Mitarbeitende miteinander kommunizieren, wie sie Entscheidungen treffen und wie sie Herausforderungen bewältigen.

Warum verordnete Werte nicht funktionieren

Unternehmen sind komplexe, sich selbst organisierende Systeme mit eigenen Dynamiken. Wird ein Wertensystem von oben verordnet, ohne auf die gelebte Unternehmenskultur und bestehende Kommunikationsmuster einzugehen, bleibt es eine bloße Behauptung, die oft nicht zur Realität passt.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Ein Unternehmen propagiert „Offene Kommunikation“ als einen seiner zentralen Werte. Gleichzeitig wird Kritik intern nicht toleriert, und Mitarbeitende, die Missstände ansprechen, werden sanktioniert. Dieser Widerspruch bleibt den Mitarbeitenden nicht verborgen – sie erleben die Realität anders, als sie offiziell kommuniziert wird. Das Resultat? Der propagierte Wert verliert jegliche Glaubwürdigkeit und wird von den Mitarbeitenden nicht mehr ernst genommen.

Unternehmen sollten sich daher nicht fragen: „Welche Werte klingen gut?“, sondern: „Welche Werte leben wir tatsächlich – und welche benötigen wir, um nachhaltig erfolgreich zu sein?“

Wie Werte wirklich entstehen

Echte Werte entwickeln sich aus der täglichen Praxis. Sie spiegeln sich in Meetings wider, in der Zusammenarbeit zwischen Teams, in Entscheidungsprozessen und im Umgang mit Fehlern. Ein Unternehmen kann seine Werte nicht einfach festlegen – es kann aber gezielt Rahmenbedingungen schaffen, die eine wertorientierte Kultur ermöglichen.

Drei zentrale Hebel für gelebte Werte:

  1. Partizipative Kommunikation: Mitarbeitende sollten aktiv in die Werteentwicklung eingebunden werden. Werte dürfen nicht nur von der Geschäftsleitung verkündet werden – sie müssen im Dialog mit denjenigen entstehen, die das Unternehmen tagtäglich gestalten.
  2. Führung als Vorbild: Werte entfalten erst dann Wirkung, wenn sie authentisch vorgelebt werden. Führungskräfte haben hier eine Schlüsselrolle: Sie prägen die Unternehmenskultur durch ihr Verhalten und ihre Entscheidungen. Mitarbeitende orientieren sich daran, was Führungskräfte tatsächlich tun – nicht daran, was sie sagen.
  3. Strukturen anpassen: Es reicht nicht, Werte zu formulieren – sie müssen sich auch in den Unternehmensstrukturen und Prozessen widerspiegeln. Wenn beispielsweise „Transparenz“ ein Wert sein soll, dann müssen Entscheidungswege und Kommunikationsstrukturen diesen Wert unterstützen. Nur so werden Werte nicht nur postuliert, sondern erlebbar gemacht.

Werte, die wirken: Drei Praxisbeispiele

Manche Unternehmen schaffen es, Werte nicht nur zu formulieren, sondern auch konsequent in ihre Unternehmenskultur zu integrieren. Drei Beispiele:

  • Google: Das Unternehmen definiert seine Kultur über die „10 Dinge, die wir für wahr halten“. Diese Werte sind nicht bloße PR-Statements, sondern spiegeln sich in der gesamten Arbeitsweise wider – von hoher Autonomie für Mitarbeitende bis hin zu einer Kultur der kontinuierlichen Innovation.
  • Zappos: Das Unternehmen hat Kundenzentrierung zu einem echten Unternehmenswert gemacht. Dies zeigt sich nicht nur in Serviceversprechen, sondern auch in internen Strukturen, die Mitarbeitenden große Entscheidungsfreiheiten im Kundenkontakt ermöglichen.
  • Patagonia: Nachhaltigkeit ist hier kein Marketing-Schlagwort, sondern gelebte Praxis – von umweltfreundlichen Produktionsprozessen bis hin zu Maßnahmen, die Mitarbeitenden nachhaltiges Handeln erleichtern (z. B. Reparaturprogramme für Kleidung, um Konsumverhalten zu verändern).

Die Rolle der Führung: Werte erlebbar machen

Führungskräfte sind die zentralen Multiplikatoren von Unternehmenswerten. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, Werte vorzuschreiben, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, dass sich diese Werte organisch entwickeln. Dazu gehört:

  • Offene Gespräche über Werte zu führen: Werte sollten regelmäßig thematisiert werden – nicht nur in Workshops, sondern in alltäglichen Diskussionen und Entscheidungsprozessen.
  • Ehrliches Feedback zuzulassen: Eine wertorientierte Kultur lebt davon, dass Diskurs erwünscht ist und Mitarbeitende ohne Angst vor negativen Konsequenzen Feedback geben können.
  • Vorbild sein: Führungskräfte prägen die Kultur maßgeblich durch ihr eigenes Verhalten. Sie müssen die Werte, die sie predigen, auch selbst konsequent vorleben.

Fazit: Werte, die wirklich gelebt werden

Unternehmenswerte sollten nicht als starres Regelwerk verstanden werden, sondern als ein lebendiges, sich entwickelndes System aus Handlungen, Entscheidungen und gelebter Kultur. Werte, die durch Dialog entstehen und sich im täglichen Tun bewähren, sind die Einzigen, die dauerhaft Bestand haben.

Statt mit Vorgaben zu starten, sollten Unternehmen daher mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme beginnen: Welche Werte leben wir bereits – und wie können wir sie stärken?

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