Wer kann mir helfen steht auf dem Bild. Abgebildet ist eine Karteikarte und ein Container, der auf ein Schiff geladen wird.
Wer kann mir helfen?

Verfasst von

Boris Wehmann

am 25. Februar 2024

Wer kann mir helfen? Das war ein selbstverständlicher Gedanke von mir.

Inzwischen hat ein Mindshift von „Wer kann mir helfen“ hin zu „wie kann ich das lösen“ stattgefunden.

Kaum kommt heute ein Problem um die Ecke, fangen wir hektisch an, nach einer Lösung zu suchen. Dabei wäre es insbesondere im Moment wichtig, dass „Wer kann mir helfen“ wieder stärker in den Vordergrund stellen.

Was meine ich damit?

Ich möchte bitte einen Container von Southampton nach Ashdod buchen, sagte der Kunde am Telefon.

Aufmerksam notierte ich alle notwendigen Details auf meinem Buchungsblock.

Haben wir noch Platz auf dem Schiff? Gibt es einen leeren Container für meine Buchung?

Computer hatten wir noch keine.

Wer kann mir helfen und mir die Antworten geben, überlegte ich.

Der Buchungsblock hatte mehrere Durchschläge.

Eine Kopie war für meine Akte. Eine weitere Kopie war für die Containerabteilung und die letzte Kopie schließlich für die Buchhaltung.

In der Containerabteilung hingen große Stecktafeln mit gelben und rosa Karten an der Wand.

Die rosa Karten symbolisierten 40`Container und die gelben Karten 20’ Container.

Jede der Karten war mit einer Containernummer versehen und darunter stand in akribischer Reihenfolge die Buchungshistorie.

Ganz links auf der Tafel waren die verfügbaren Container. 

Sobald eine Buchung eintraf, entnahm ich eine Karte von der linken Seite der Tafel. Ich notierte den Lade- und Empfangshafen und das Schiff. Anschließend wanderte die Karte in die Rubrik „Buchung“. Die Reise für die Karte begann.

Alle Karten gingen, bevor das Schiff ankam, in die Rubrik „Vorstau“. Somit konnten wir zu jeder Zeit erkennen, welche Container auf welches Schiff geladen werden sollten.

Wenn ich vergessen habe, eine Karte in den Vorstau zu packen, blieb der Container stehen.

Die Arbeit war deutlich langsamer und wir brauchten im Verhältnis deutlich mehr Kolleg*Innen als es heute der Fall ist. Aber, die auszuführenden Aufgaben waren sichtbarer und viel besser verständlich. Wir sahen förmlich, was wir taten, denn die Karte wanderte sichtbar weiter.

Heute wandert die Karte im Verborgenen. Ich sehe nichts, kann nichts anfassen und die Prozessschritte wurden auf dem Weg eher verkompliziert als vereinfacht.

War es früher besser?

Auf keinen Fall. Es war anders.

Es gibt jedoch einen Aspekt, der mir in meiner heutigen Tätigkeit immer klarer wird.

Kaum kommt heute ein Problem um die Ecke, fangen wir hektisch an, nach einer Lösung zu suchen. Im Zweifelsfall hilft die Technik. Also rufen wir in der IT an und hoffen, die werden das Problem für uns lösen.

In der Zeit ohne Technik wussten wir auch häufig nicht, wie wir etwas lösen können. Wir waren aber deutlich stärker auf Kreativität gepolt, denn, ohne Technik hatten wir die Freiheit kreative Lösungen zu finden. Es war kein Eingriff in einen programmierten Ablauf nötig.

Viel häufiger fragten wir uns, wer uns helfen könnte. Wir griffen zum Telefon oder fuhren zu der Person hin. Bei mir ging es des Öfteren in den Hafen, um mit den Stauern zu besprechen, wie wir etwas bestmöglich auf’s Schiff bekommen könnten.

Durch den technischen Fortschritt und unsere veränderte Arbeitsweise hat im Laufe der Zeit ein Mindshift stattgefunden. Statt zu fragen „Wer kann mir helfen“ hin zu „wie kann ich das lösen?“

Da das „Wie“ im Großen und Ganzen gut gelöst werden kann, sollten wir das „Wer“ wieder stärker in den Vordergrund stellen. Wir leben in Zeiten, die es notwendig machen, dem „Wer-Gedanken“ wieder Raum zu geben.

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