Schifffahrt und Spedition im Wandel
Schifffahrt und Spedition im Wandel

Verfasst von

Boris Wehmann

am 1. Dezember 2022

Ein Beitrag von Boris Wehmann für das Magazin von Trans:Info

Es braucht ein radikales Umdenken, um zukunftsfähig zu bleiben.

Die Logistikbranche in ihren Grundstrukturen hinkt in vielerlei Hinsicht der Entwicklung moderner Unternehmen und Arbeitswelten hinterher. Insbesondere in Schifffahrt und Spedition treffen wir in Teilen auf Arbeitsweisen, die sich seit Jahrzehnten nicht verändert haben. Schifffahrt und Spedition im Wandel

Sowohl Speditionen als auch Reedereien versuchen mit aller Kraft, die Rückstände aufzuholen. Es gibt aber dermaßen viel aufzuholen, dass die Fortschritte nur langsam erkennbar sind. Und die Prioritäten verschieben sich rasend schnell. Zulasten des Fortschritts.

Fehlende LKW-Fahrer*Innen, Fachkräftemangel, explodierende Diesel- und Bunkerpreise, überlastete Häfen, Schiffe, die auf Reede liegen und nicht abgefertigt werden können. Alles Probleme, die eine höhere Dringlichkeit haben, als dynamikrobuste Unternehmensstrukturen und moderne Arbeitswelten. 

Seien wir ehrlich, die Branche war lange träge und hat den Wandel nicht schnell genug vorangetrieben. Das rächt sich heute. Und die Wichtigkeit für dynamikrobuste Unternehmensstrukturen und ein modernes Arbeitsumfeld darf nicht länger unterschätzt werden. Sonst steigt auch hier die Dringlichkeit. Und zwar schneller als wir gucken können.

Drei Kernthemen sind anzugehen, um den Wandel in Schifffahrt und Spedition zu gestalten

  • Umwelt und Nachhaltigkeit.
  • Digitalisierung.
  • Arbeitsmodelle.

Umwelt und Nachhaltigkeit

Sowohl LKW’s als auch See- und Binnenschiffe gelten als Dreckschleudern. Gerne werden die Transportmittel undifferenziert an den Pranger gestellt. Dabei tut sich viel in der Branche, es wird aber bei Weitem nicht laut genug darüber gesprochen. Natürlich braucht es Zeit, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Aber es tut sich einiges.

Warum kommunizieren wir das nicht laut und deutlich nach außen? Niemand möchte heute mehr in einer Schmuddelbranche arbeiten. Wenn wir aber Nachwuchs gewinnen möchten, gilt es klar und deutlich Fakten zu kommunizieren und die Bemühungen deutlich in den Vordergrund zu stellen.

Digitalisierung

Es gibt ein großes Potenzial, Prozesse in der Logistik zu digitalisieren.

Damit würde ein signifikanter Teil an Arbeit wegfallen, die heute unter unermüdlichem Einsatz von den Mitarbeiter*Innen erledigt wird. 

Nur ein paar Beispiele:

  • Buchungsprozesse.
  • Rechnungsprozesse.
  • Reklamationen.
  • Ein großer Teil der Kommunikation gehört ebenfalls digitalisiert.
  • Konnossemente.

Die frei werdenden Mitarbeitenden können dort eingesetzt werden, wo es auf das Können und die Talente der Menschen ankommt. Das lässt sich nämlich nicht digitalisieren.

Arbeitsmodelle

Die Logistikbranche benötigt künftig echte Könner*Innen, die in einem hochkomplexen Marktumfeld, gute Lösungsideen anbieten.

Dieses Können brauchen Unternehmen und Kunden sowohl für Transportlösungen, als auch für den Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen wie Kriege, Pandemien und Energiekrisen. 

Unvorhergesehene Ereignisse werden ein immer stärker werdender Teil unseres Lebens sein. Die Zeiten der trägen Marktumfelder und Märkte sind lange vorbei.

Da Standardprozesse bei fortschreitender Digitalisierung immer weniger menschliche Eingriffe benötigen, müssen wir den Fokus auf andere Eigenschaften legen. Und das ist der Umgang mit Komplexität. Also mit unvorhergesehenen Ereignissen, für die wir noch kein Wissen im Unternehmen konserviert haben.

Um mit Komplexität umgehen zu können, benötigen wir ein radikales Umdenken in den Unternehmen.

Es braucht ein Umfeld, in dem naive Fragen erlaubt sind. Insbesondere die Art von Fragen, die bestehendes hinterfragen.

Wir brauchen echte Teams, die unter Rahmenbedingungen arbeiten, die es möglich machen, Entscheidungen zu treffen, die keine Endlosschleifen durch die Hierarchiestufen notwendig machen.

Der Unternehmenszweck gehört zurück in das Zentrum der Aufmerksamkeit. 

Wir müssen lernen, kompliziert und komplex zu unterscheiden. Die Lösungsansätze bei komplizierten Sachverhalten sind gänzlich andere als bei komplexen Sachverhalten.

Komplizierte Sachverhalte kann ich durch Wissen lösen. Ein Problem ist kompliziert, weil wir es nicht verstehen. Wissen zur Lösung dieses Problems ist vorhanden. 

Komplexität dagegen ist das Maß der Menge an Überraschungen. Und genau diese nehmen in hochdynamischen Märkten zu.

Um mit komplexen Sachverhalten umzugehen, benötige ich Könner*Innen. Ich frage nicht, wie ich das Problem lösen kann, sondern wer es lösen kann. 

Und das ist die Fähigkeit, die wir für zukünftiges Überleben brauchen.

Wir versuchen permanent zu steuern. Und zwar komplexe Sachverhalte. Da das nicht funktioniert, erleiden wir regelmäßig Havarie oder kommen zumindest nicht so voran, wie wir es uns wünschen. Steuerung setzt Wissen voraus. Wissen, das wir bei Komplexität nicht haben.

In der Unterscheidung von kompliziert und komplex steckt Radikalität.

Wenn ich die Unterscheidung im Unternehmen berücksichtige, bedeutet es, eine andere Unternehmensstruktur aufzusetzen und gänzlich andere Denkweisen zu etablieren.

Belohnt werde ich mit:

Ausreichend Flexibilität, um auf überraschende Ereignisse angemessen schnell reagieren zu können.

Motivierten Mitarbeitenden, die erkennbar sinnhafte Arbeit machen und auf den Unternehmenszweck einzahlen.

Wenn es richtig gut läuft, kann ich erheblichen Druck auf den Markt ausüben und zum innovativen Taktgeber werden.

Schöner Nebeneffekt: Das alles funktioniert ohne rhythmische Tanzgymnastik, Teambildungsevents oder andere Mitarbeiterbespaßungsprogramme.

Wenn ich künftig als Branche für Fachkräfte attraktiv sein möchte, muss ich mich auf diesen radikalen Weg begeben.

Gibt es Standardlösungen oder Blaupausen für Unternehmen?

Nein. Lassen Sie sich nichts erzählen. 

Die gute Nachricht ist, es ist möglich, die Reise sofort anzutreten. Unabhängig vom Digitalisierungsgrad.

Die Arbeitswelt von morgen ist bereits da. 

Dieser Beitrag von Boris Wehmann ist ursprünglich im Online Magazin von Trans:info erschienen.

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